Bilge am Sperrholzrumpf

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bob57
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Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von bob57 » Di 13. Aug 2013, 21:48

Folgendes Problem:

Mein "Merlin" hat einen Sperrholzrumpf.
Die Beplankung ist zwischen Kiel und Kielplanke eingeklemmt, was bei Sperrholzrümpfen üblich ist. Dadurch bilden sich in der Bilge rechts und links von der Kielplanke zwei Rinnen.

Dummerweise nimmt mein Boot bei Starkregen durchs Schiebeluk etwas Wasser, was leider konstruktionsbedingt nicht zu ändern ist und was gelegentlich zu etwas Wasser in der Bilge und damit genau in den beiden Rinnen führt.

Gestern habe ich die Farbe runter geschliffen, um den Zustand des Holzes zu prüfen. Dabei stellte ich fest, daß es an einigen Stellen mal Gammel gegeben hat. Das Holz ist trocken, aber die obere Sperrholzlage zeigt einige schwarze Flecken, insgesamt nichts beunruhigendes, aber immerhin....

Meine Idee:
Farbe komplett runter,
Mit Epoxi vorstreichen
Zwischen Kielplanke und Beplankung eine Hohlkehle spachteln.

Damit dürfte die Nahtstelle zwischen Kielplanke und Sperrholz dauerhaft dicht sein.

Gut oder schlecht?
Gruß vom
Bob

(Diplom-Improvisationsprofi)
André bauer
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Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von André bauer » Mi 14. Aug 2013, 16:17

Hallo Bob,
habe ich bei meinem Motorboot damals in der Vorpiek auch so gemacht, mit sehr guten Erfahrungen.
Das Kielschwein (innen) und die Bilge würde ich aber gleich ausreichend hoch mit Epoxy streichen.
Ich habe mit Epoxy vergossen, nicht gespachtelt.
Zumindest solltest Du dünnflüssiges vorstreichen, etwas anziehen lassen und das angedickte Epox hinterher.

Alle alten Farben müssen restlos raus sein, aber das ist denke ich klar.

Grüße,
André
Gruß,
André

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bob57
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Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von bob57 » Do 15. Aug 2013, 19:44

Danke Andre,

habs gemacht wie du, jedenfalls so ähnlich:

Boot auf
Sohn rein
Schleifmaus rein
Boot zu

3 Stunden später:
Boot auf
Schleifmaus raus
Staubsauger rein
Boot zu

20 Minuten später:
Boot auf
Sohn raus
Staubsauger raus
Epoxid rein
Boot zu
feddisch

So hab ich in nicht mal einer halben Stunden für mindestens 10 Jahre die Bilge saniert.
Ich bin stolz auf mich.....

:-))
Gruß vom
Bob

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danebrog

Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von danebrog » Do 15. Aug 2013, 20:40

Bob!!

Suuuuuuper! Habe echt Tränen gelacht! (Solche Beiträge können hier öfter kommen!) Werd'' mit meinem Filius schon mal üben, dass er parat ist, wenn' s dann bei mir so weit ist mit dem Schwertkasten!

Grüße!
Dagmar
André bauer
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Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von André bauer » Do 15. Aug 2013, 21:18

Hallo Bob,
sauberer Schnitt :-)
Konzept vom Arbeitsamt abgeguckt und auf die Zwecke umgedreht oder?
Leute in Maßnahmen sind ja auch gar nicht arbeitslos...

Kannste mir Deinen Sohn mal leihen? Bei mir im Schiff ist auch genug Luft für Tage, etwas Zwieback könnte ich notfalls auch reinstellen...

Grüße,
André
Gruß,
André

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danebrog

Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von danebrog » Fr 16. Aug 2013, 21:17

... Aber nich' übertreiben mit der Sklavenarbeit, sonst dreht die Jugend den Spieß um und man steht eines Tages alleine da ... Und das kann nicht das Ziel sein! ;)

Also statt Zwieback vielleicht doch Schokoriegel?! :)

Grüße
Dagmar

P.S. Hej, André! Du kriegst meinen Großen! Der ist mir sowieso zu etepetete. Und unter Deiner Anleitung kann er Muttern gleich 'ne neue Pinne schnitzen. :)
LG Dagmar
bob57
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Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von bob57 » Fr 16. Aug 2013, 22:25

Ich geb mal Hilfestellung.

Rezept für einen Handlauf:

Man nehme
1 Dreizehnjährigen
1 Eichenbohle
1 Tischkreissäge
(alternativ Stichsäge mit Anschlag)
1 Flex mit Schleifteller
div Schleifscheiben mit 60er - 600er Körnung
Leinöl

Zubereitung:
Zunächst verweigert man dem Dreizehnjährigen mit Hinweis auf sein zu geringes Alter sowie seine zu geringe Fertigkeit über einige Wochen den Zugriff auf die Flex, bis er gewillt ist, für eine Stunde werkeln seine Seele dem Satan zu verkaufen.

Dann schneidet man aus der Eichenbohle den Rohling eines Handlaufes zu, wobei der Dreizehnjährige zusehen, aber keinesfalls helfen darf.
Anschließend beginnt man mit der Flex die Feinarbeit, dabei sollte man sich nicht von dem immer unruhiger werdenden Sprößling stören lassen.

Nachdem man ca.10 % der Feinarbeit absolviert hat, legt man eine Zigarettenpause ein (Nichtraucher nehmen alternativ Tee, Kaffee, Schokoriegel), während dieser Zeit darf der Dreizehnjährige mit dem Schleifblock von Hand schleifen.

Mit dieser Tätigkeit ist erfahrungsgemäß die Hilfskraft überlastet, was dem Eigner der Flex nochmals die Möglichkeit bietet, auf die geringen Fertigkeiten des Nachwuchses hin zu weisen, indem man den eigenen Arbeitsfortschritt dem der Hilfskraft gegenüber stellt.

Dies führt man fort, bis die Hilfskraft auf die Ungleichheit der Arbeitsmittel hingewiesen hat.

Nun erlaubt man der Hilfskraft einen Versuch mit der Flex, wobei man die Arbeitszeit keinesfalls zu knapp bemessen darf.
Nachdem weitere 10 % der Feinarbeit erfolgt sind, erlaubt man dem Dreizehnjährigen großzügig, das Werk fertig zu stellen, verlässt die Werkstatt und zieht sich aufs Sofa zurück.

Sollte man unterwegs jüngere Geschwister der Hilfskraft treffen, so versäume man keinesfalls den Hinweis, kleine Kinder dürften auf keine Fall des Rasenmäher-Traktor bedienen, das sei für sie noch viel zu gefährlich.



Das Rezept kann durchaus auch für die Herstellung von Pinnen, Türanschlägen, Backskistendeckel usw. angewendet werden.

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Gruß vom
Bob

(Diplom-Improvisationsprofi)
danebrog

Re: Bilge am Sperrholzrumpf

Beitrag von danebrog » Sa 17. Aug 2013, 02:22

Da war doch was?

"Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern Lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!" Saint-Exupéry


Super, Bob!

Danke!! Ich habe mich erneut köstlich amüsiert! Aber genau so funktioniert das mit der Brut. :)
Poesie in die Praxis umgesetzt, dazu noch pädagogisch wertvoll! Großartig!! Und das Alter passt auch. Meiner hat zwar zwei linke Hände, dafür aber mit ausgeprägter Muskulatur an den Daumen zum schnellen Bedienen kleiner Tasten... Das könnte man aber noch ändern! Da heißt's: Dranbleiben!

Viele Grüße!
Dagmar

bob57
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Meine Güte, bin ich blöd

Beitrag von bob57 » So 25. Aug 2013, 00:45

Ich schrieb eingangs, mein Boot würde Wasser übers Schiebeluk nehmen.

Heute habe ich die ganze Konstruktion demontiert und dabei wurde mir schlagartig klar, was ich Esel da gemacht habe.

Das Bauteil besteht aus zwei Seitenwangen, die vordere Hälfte ist etwas erhöht. Die beiden Seitenteile sind vorne durch ein Querholz verbunden, die vordere Hälfte der Konstruktion ist als "Lukengarage" mit Sperrholz abgedeckt.
In den Seitenwangen sind zwei Rinnen gefräst, in denen das eigentliche Schiebeluk läuft, um im geöffneten Zustand unter der Lukengarage zu verschwinden.

"Clever" wie ich bin, habe ich zum Schutz des kostbaren Mahagonie-Rahmens außen herum einen feinen Strich Sikaflex gezogen. Dummerweise war damit der Lukenaufbau aber nicht nur von außen, sondern auch von innen dicht, sprich, das Wasser, das vom Lukendeckel nach vorne unter die "Garage" lief, konnte nicht mehr ablaufen. Also staute es so weit auf, bis es über den inneren Rahmen des Einstiegs ins Boot lief.

Gott sei Dank habe ich damals, als ich das Boot gekauft habe, die Verschraubung in Epoxid gesetzt, sonst wäre jetzt vermutlich zumindest das eine oder andere Bohrloch angegammelt.

Nun wird alles neu lackiert und wenn ich das Luk wieder montiere, kommt auf jede der acht Schrauben zwischen Dach und Rahmen eine dünne Unterlegscheibe. So kann das Regenwasser sofort ablaufen.

Gruß vom
Bob

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