Der richtige Lack für den Mast

Tobias Bressler

Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von Tobias Bressler » Sa 13. Apr 2013, 20:37

Werte Gemeinde.
Jedes Jahr stellt sich von neuem die Frage: Welchen Lack sollen wir für unseren Sprucemast verwenden. Wir haben diverse Versuche hinter uns, bisher hat noch nichts so recht überzeugt:
- "Original" von International: Scheint uns nicht elastisch genug zu sein, desgleichen
- "Schooner" desselben Herstellers.

Viele nehmen ja D1 und dann D2 für das Finish. Habt Ihr mit einem Lack gute Erfahrungen gemacht, die es nicht notwendig machen, dass man das Rigg jedes Jahr neu lackieren muss?

Danke für Eure Meinungen!

Viele Grüße
Tobias Bressler, T 16

PS: War dieser Winter nicht eine echte Zumutung? Wir sind gerade so rechtzeitig zur Wasserung mit den üblichen Überholungsarbeiten fertig geworden. So spaßbefreit war es aber noch nie.
helmsman-2

Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von helmsman-2 » Sa 13. Apr 2013, 21:49

Hier haben natürlich die meisten ihre eigene Philosophie und Erfahrung. Der Lack des Mastes ist immensen Belastungen ausgesetzt. Das ganze Jahr bei allen Witterungsverhältnissen im Freien und durch keine Persenning geschützt.

Ich habe Epifanes für alles was aussen ist. Und bin zufrieden damit. Allerdings hält der Lack auf dem Mast auch max. 2 Saisons, dann sollte er meines Erachtens nachgestrichen werden. Zur Not gehen auch drei Jahre, je nach dem, wie tolerant man ist. Von einem Bootsbauer habe ich den Tip, in den Lack ca. 5% Owatrol-Öl beizugeben. Das verbessert den Verlauf, gibt mehr Glanz und bessere Elastizität.

Mit Decksolje (D1) und D2 als der Witterung voll ausgesetztem Lack habe ich keine guten Erfahrungen gemacht (zu geringe Beständigkeit). Nur D1 verwende ich dagegen im gesamten Innenbereich. Hat den Vorteil, dass es keine Schichten aufbaut und man es nicht ab- oder anschleifen muss.

Klaus
Jörg G
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von Jörg G » So 14. Apr 2013, 11:36

Hallo Tobias,

ich habe 2009 unseren Sprucemast komplett abgezogen und geschliffen, weil überall großflächig graue Stellen unter der Lackschicht waren. Was der Vorbesitzer verwendet hat konnte ich nicht rausfinden. Den Neuaufbau habe ich mit D1 und D2 gemacht. Erfahrungsgemäß haut jedes Jahr ein Schäkel irgendwo an den Mast. Die Beschichtung platzt zwar nicht ab, aber sicher ist sicher jedes Jahr anschleifen, 1x D1 und dann 1xD2 überrollen. Fertig. Ist an meinem Segelboot der geringste Aufwand.
Ich weiß auf der D2 Dose steht nicht drauf, dass es UV beständig ist.

Sonst schau dir alte Foren an, in einigen wird D1 und dann Epifanes empfohlen.
Gruß

Jörg
tomy
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von tomy » So 14. Apr 2013, 12:28

Moin Tobias,
hier bei uns in der Schiffergilde machen wir gute Erfahrungen mit IMP als Grundlage ( satt bis nix mehr geht) und dann Benar marine UV klar - der ist langölig, härtet aber hart aus und hält gut eine Saison auch an der Gaffelklau.
Besten Gruß
Thomas
tomy
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von tomy » So 14. Apr 2013, 12:34

Moin Tobias,
hier bei uns in der Schiffergilde machen wir gute Erfahrungen mit IMP als Grundlage ( satt bis nix mehr geht) ein Tag bei Sonne warten ( oder in der Halle...) ganz leichter Anschliff mit 220 und dann Benar marine UV klar 2 bis 5 Schläge - der ist langölig, härtet aber hart aus und hält gut eine Saison auch an der Gaffelklau.
Besten Gruß
Thomas
Rainer Enßlin
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von Rainer Enßlin » Di 16. Apr 2013, 10:06

Hallo Tobias,
mein Mast ist zwar nur aus Kiefer, aber ich hebe gerade letzte Saison ein einschneidendes Erlebnis gehabt. Der Lackaufbau ist seit 10 Jahren drauf und besteht aus Leinölfirnis (Halböl), gut trocknen lassen (gibt saugeile samtige Oberfläche ... :-) ) und dann 6-facher Aufbau mit Sikkens Yachtvarnish (Rubbol). Das ist ein Alkydharzlack, vergleichbar mit Epiphanes, aber leider nicht mehr im Handel. Das ganze nach jeder Saison mit 320er von Hand angeschliffen und 1 mal überlackiert.
Ich hatte nie Probleme.
Letzte Saison bin ich aus Zeitgründen nicht zu einer Lackierung gekommen und hatte am Ende auf der Südseite überall Risse im lack, die bis zum Holz reichten. Musste also jetzt im Frühjahr halbseitig bis zum Holz runter und neu aufbauen. Dabei zeigte sich, dass die lackierung eigentlich wunderbar am Holz haftet, es also nix auszusetzen gibt. Auch Schlagstellen macht der Lack mit, es gibt Dellen mit intaktem Lack.
Wenn da nicht die UV-Strahlung wäre.
Fazit: Jedes Jahr lackieren, da hilft auch der beste Lack nichts. Ich denke das war Deine Frage, aber aus den Beiträgen ist immer wieder zu erkennen, dass die lichtexponierten Stellen am Boot jährlich gemacht werden müssen.
Zweikomponentenlacke halten zwar im prinzip länger, sind aber sehr schlagempfindlich und schwer auszubessern, was gerade am Mast häufig anfällt.
Aber solange der Kahn dicht quellt, kann man eh nix anderes machen, als am Mast basteln
Gruß, Rainer
Rainer
André bauer
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von André bauer » Di 16. Apr 2013, 15:12

Hallo,
Firnis ist eigentlich als glänzender Flächenabschluß"-lack" gedacht.
Es dringt weniger tief ein als normales Leinöl und ähnelt damit einem Alkydharzlack bzw. erfüllt ähnliche Aufgaben allerdings ohne UV-Schutz.
Was bei einem Nadelholzmast nicht wichtig ist.
Unbehandeltes Leinöl baut eine noch bessere Bindung und tieferen Schutz auf als Firnis (gekochtes Leinöl).

Grüße,
André
Gruß,
André

V98 Seebrise
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Torsten

Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von Torsten » Di 16. Apr 2013, 19:46

Ich habe dieses Jahr meinen Mast komplett neu aufbauen müssen. Vor 11 Jahren (da war ich noch nicht Eigner) wurde der Mast in einer Werft mit 2 Lagen Glasfasermatte und Epoxidharz laminiert. Leider hat man die Matten nicht richtig getränkt, so dass man immer das Gewebe sah und in den letzten beiden Jahren fing das Glasfaser-Gewebe auch an einzureißen und wurde demzufolge von Wasser unterwandert. Was man damals allerdings gut gemacht hatte war die sich lösenden Verklebungen des Mastes gut mit Epoxidharz zu füllen und somit wieder zu verkleben. Soweit zu Vorgeschichte.

Ich habe also diesen Winter die Glasfasermatte abgeschält, was ziemlich einfach ging, da ja nicht richtig mit dem Holz verbunden. Die Stellen die etwas fester waren hab ich mit einem Fächerschleifer mit der Flex entfernt. Danach wurde der Mast glatt geschliffen. Da ich mir jetzt auch eine Funke zugelegt habe, musste natürlich auch eine Antenne samt Antennenkabel in den Masttop gelegt werden. Nach langem überlegen und Abwägen hab ich das Antennenkabel mit P-Bond an den Mast geklebt, was mir gut gefällt und ebenso gelungen ist. Jetzt wurde der Mast 4-mal mit Asuso Holzimprägnieröl http://www.asuso.de/c_medien/66-asuso-h ... ieroel.pdf getränkt. Darauf habe ich dann 8 Schichten Le Tonkinois Marine Nr. 1 gemalt.

Ich bin mal gespannt wie sich das alles am Mast machen wird. Ansonsten verwende ich Le Tonkinois Marine Nr. 1 ja auch am gesamten Schiff außen wie innen und bin zufrieden. Muss aber ebenso, wie Rainer schon geschrieben hat, dazusagen das der Erhaltungsanstrich am Rumpf jedes Jahr bei mir Pflicht und Kür ist und alle 2 bzw. 3 Jahre die anderen Holz-Anstriche in Außenbereich.

Gruß
Torsten


Langkieler
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Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von Langkieler » Mo 3. Jun 2013, 13:55

Moin,
neu hier im Forum, aber sonst nicht so...

Also, das Thema Mastlackierung ist bei mir gerade auch brandaktuell. Vor 15 Jahren habe ich den heute 40 Jahre alten Spruce-Mast (11,5m) damals nach der Übernahme vom Voreigner komplett abgezogen und - mit viel Zeit und Platz - im Winter mit 20 Lagen Epiphanes 1K ganz suutje neu aufgebaut, vorher ein paar Lagen D1 mit einem getränkten Lappen (damit keine Pfütze stehenbleibt) einmassiert.

Das Resultat war so, daß mir noch 6 Jahre später ein Däne in Middelfart sagte, "aber einen schönen neuen Mast hat Dein Boot!". Nun ja. Alle 2, 3 Jahre habe ich ein bißchen ausgebessert. Vor ca. 5 Jahren zeigten sich dann erste kleine Aufsprödungen, da kam nach Anschleifen noch mal ne Lage drüber, aber irgendwie fehlten dann Zeit, Wetter und Platz.
Dann folgten für das Boot drei Jahre Überwinterung im Hafen, dem Boot (eine Skorpion) hat es bestens gefallen, dem Mast und seinem Lack gar nicht.

Nun liegt er wieder komplett abgezogen und fein geschliffen in einer Halle und will lackiert werden. Soll er ja - ich schwanke nur zwischen wieder Epiphanes (wieder 20 Lagen) und alternativ G8. Letzteres nach meinen damals nicht schlechten Erfahrungen mit G4, womit ich den Mast meiner Primaat Anfang der 80er lackiert hatte. Das vergilbte zwar, sah auch nicht so prall aus, aber hielt gut über viele Jahre.

So, und nun? Einerseits möchte ich den Aufwand des kompletten Ab- und wieder Anbaus aller Beschläge nicht so oft wiederholen, andererseits möchte ich nun auch mal fertigwerden mit dem Ding (Kälte und sonstiges verhinderten einen früheren Beginn).

Ein Bootsbauer mit hohem Epiphanes-Verbrauch meinte, da könne man auch zwei Lagen am Tag draufbringen. Bei G8 habe ich an kleinen Teilen (Steckschotten, Schiebeluk-Deckel etc.) 4 Stunden Überstreichintervalle gehabt, und bei G8 braucht man vermutlich auch eher weniger als 20 Lagen, das könnte ja schon wieder zu dick werden.

Eure geschätzte Meinung? Hab sogar schon über nen Alumast nachgedacht, aber - nee, das Holz sieht noch soooo gut aus!

Gruß,
Der Langkieler

helmsman-2

Re: Der richtige Lack für den Mast

Beitrag von helmsman-2 » Mi 5. Jun 2013, 12:31

Wenn ich richtig informiert bin, ist G8 von den mechanischen Eigenschaften nicht wesentlich anders , als G4 (möglicherweise etwas UV-stabiler). Es ist ein Polyurethanprodukt, das mit Luftfeuchtigkeit aushärtet, also eigentlich auch ein 2-Komponentenprodukt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass G4 ziemlich hart (und spröde) ist und damit für (weiches) Vollholz wenig geeignet.

Anfänglich sehen solche Lackschichten immer gut aus, aber die Probleme gehen los, wenn der Lack mal anfängt zu reissen oder durch mechanische Einflüsse kleinste Beschädigungen bekommt. Der Lack wird großflächig von Wasser unterwandert, ohne dass man das gleich merkt. Irgendwan kann man große Stücke von dem Lack vom Holz abschälen.

Das Anschleifen von diesem harten Lack ist schwierig (speziell, wenn man Raparaturen machen möchte, die bis auf´s Holz gehen) und die Haftung zu Folgeanstrichen (wenn nicht ganz ordentlich angeschliffen wird) nicht sehr gut.

Mein Fazit: Ungeeignet für Masten, auch wenn´s schnell geht, aber am Ende mehr Ärger und Arbeit, als mit einem soliden Einkomponentenlack.

Klaus
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