Wieviele Schichten Lack?

Antworten
Sasel
Beiträge: 6
Registriert: So 3. Mai 2020, 15:18

Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von Sasel » So 7. Feb 2021, 10:19

Moin,

ich liebäugele gerade mit Holzfolkebooten und habe drei bis unendlich viele Fragen an Euch Profis.

Wieviele Schichten Klarlack brauchen die klarlackierten Planken jedes Jahr außen und in der Plicht?

Wie oft ist das Deckshaus mit weißem Topcoat als Erhaltungslackierung neu zu streichen?

Der weiße Stopplack auf dem Deck wird wie oft gestrichen?

Mir ist schon klar, das nach einigen Jahren stets alle Lackschichten neu müssen.

Vielen lieben Dank aus Hamburg!

Tschüss Christian
Detlef Lutz
Beiträge: 45
Registriert: Mo 16. Dez 2019, 17:44

Re: Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von Detlef Lutz » So 7. Feb 2021, 11:28

Bild[/img]Moin Christian
Was ist der Zweck Deiner Fragen?
Möchtest Du den zu erwartenden Aufwand abwägen?
Eine lang haltende klare Lackierung ist mit 8-10 Schichten aufgebaut. Je nach UV Belastung und auch nach Wahl des Lackes wird jährlich 1-2 Schichten erneuert mit vorangehendem feinem Anschliff. Nicht zu verwechseln mit einem Neuaufbau!
Wir kennen alle den Satz: „ Das muss man ja jedes Jahr neu lackieren“.
Nur 1 Beispiel: Unser 74jährige Folke Mast aus Kiefer hat vor 8 Jahren ein Neuaufbau der Beschichtung bekommen.
1. Abgezogen bis aufs rohe Holz. Bis 240er Körnung in 3 Schritten geschliffen.
2. Geölt mit Owatrol D1. An 1 Tag jede Stunde. Am 2. Tag nochmal. Ca. 2 - 3 Tage aushärten lassen.
3. Mind. an 5 Tagen je 1 Schicht Owatrol D2 auftragen. Gegebenenfalls mit Zwischenschliff mit 240er nach der 3. oder 4. Schicht. Wenn mit Schaumstoffrolle und Schaumschlichtpinsel D2 aufgetragen wird, ist meine Erfahrung sehr gut. Keine Läufer und keine Orangenhaut. Ich habe nicht zwischengeschliffen. Nur innerhalb von 24 Std. die Folgeschicht aufgetragen.

In den darauffolgenden Jahren reduziert sich die Arbeit auf Folgendes.
1. Lackschicht mit D1 getränkten Schleifpad anrauhen/reinigen.
2.Mit sauberen Lappen das Öl mit dem Schleifstaub abwischen. Kein Reiniger oder Lösungsmittel verwenden.
3. 1 Schicht Owatrol D2 wie gehabt auftragen.
Arbeitsaufwand 1 Tag ca. 2 Std. Reine Arbeitszeit.
Temperatur ist fast egal, nur die Luftfeuchtigkeit muss stimmen.
Was ich Dir damit verdeutlichen möchte, je besser man den Grund gemacht hat, je geringer die folgende Pflege. Das kann dann viele Jahre halten.
Gruß Detlef
Sasel
Beiträge: 6
Registriert: So 3. Mai 2020, 15:18

Re: Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von Sasel » Mo 8. Feb 2021, 11:26

Danke Detlef. Ja es geht um den Aufwand und die optimale Methode.
BlackBird
Beiträge: 1
Registriert: Fr 16. Apr 2021, 23:16

Re: Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von BlackBird » So 18. Apr 2021, 21:07

auch eine Frage zu Masten und Spieren. Ich besitze einen Gaffelkutter - auf www.klassikcharter.de seht ihr die kleine Lady und auch das Refit, das ich von 2013 bis 15 gemacht habe - vor 2 Jahren habe ich den Mast gelegt und an den Stellen an denen die Gaffel immer scheuert glasgewebe angebracht ... das hilft sehr aber dia anderen Spieren dind nach 2 Jahren schon wieder komplett ohne Lack - dort wo die Leinen scheuern auf jeden Fall. Auf der anderen Seite das Teakdeck, das Laut Sommerfeld Thiele am besten dadurch gepflegt wird, dass man es nicht pflegt. Es wird grau und widerstandsfähig - und ich mag diese graue Farbe sehr. (in meinen AUgen ist es Siber)
Jetzt also die Frage: Aus welchem Grund wird das stehende Gut lackiert? Wäre es nicht möglich diese Holzbalken ebenfalls eingrauen zu lassen? Hat es nur ästhetische Gründe oder gibt es einen Sicherheitsaspekt?
Torsten
Beiträge: 8
Registriert: Di 2. Mär 2021, 17:07

Re: Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von Torsten » Di 20. Apr 2021, 11:22

Dem Holz wurde bei dessen Einschlag und nachvolgender Verarbeitung die schützende natürliche Rinde geraubt. Diesen Schutz des Holzes sollte nun der Mensch selbst übernehmen, hat schließlich den Schaden verursacht, um das Holz gegen äußere Einflüsse wie UV- Licht (hoch energetische Strahlung), Feuchtigkeit und schädigende Lebewesen zu schützen. Tut er es nicht wird das Holz wesentlich früher verrotten und verfaulen, wie es ihn lieb ist. Holz kann fast unendlich alt werden, wenn man es pflegt, aber sich auch schnell in seine Bestandteile zersetzen.

Jetzt liegt es an jedem selbst was er möchte. Jedes Jahr zwei Erneuerungsanstriche oder nach einigen Jahren alles neu machen/kaufen.

Das Teak, welches einen etwas langsameren Verfallsprozess unterliegt wie andere Hölzer, dennoch gepflegt sein möchte sieht man übrigends an dem einen oder anderen unansehnlichen Deck in dem ein oder anderen Hafen bzw. am schwindenden Material über die Jahre.

Oder anders ausgedrückt Faulheit schützt vor Arbeit nicht. Denn die kommt dann wesentlich früher, wie eine große Walze auf einen zugerollt, mit den dann verheerenden Wirkungen noch mehr Arbeit und Geld investieren zu müssen.

Viele Grüße
Torsten

Also kurz gesagt tut Eurem Holz was gutes und schützt es regelmäßig und rechtzeitig!!!
HermannLenz
Beiträge: 105
Registriert: Mi 22. Jan 2020, 14:45
Wohnort: Lingen Ems - Am Wasserfall

Re: Wieviele Schichten Lack?

Beitrag von HermannLenz » Di 20. Apr 2021, 14:00

Moin Christian ,
Ich zitiere mal Torsten "Faulheit schützt vor Arbeit nicht".
Meine (angeborene) Faulheit sorgt dafür , dass ich auch alles gleich "richtig" mache und nicht doppelt und dreifach hinterher.
1994 habe ich mir 17 neue Fenster für das damals 29 jährige Boot gegönnt. Parallel dazu den gesamten Aufbau bis ins rohe Holz (25 mm massiv Afrormosia) abgezogen.
Dann insgesamt 40 mal D1 in 2 Tagen drauf . Danach bestimmt 8 mal D2 mit entsprechenden Abständen.
Alles unter einer Plane im Freien .
2021042013330500.jpg
2021042013330500.jpg (144.75 KiB) 1130 mal betrachtet
Die Fenster waren dann verrundet statt eckig , war pro Ecke 55 Gulden /ca. 25 € billiger. Dafür die eingeleimten Holzstücke in den Ecken .

Nun , seitdem putze ich den Aufbau immer mit D1 getränkten Lappen , sieht danach wieder wie neu aus.
Das ist dann meine alljährliche Arbeit mit dem Aufbau . Die mache ich meist irgendwo am Ankerplatz , dauert ja nicht lange und kommt meiner Faulheit sehr entgegen.
Bei Detlef ist ja genauso gemacht worden.
Allerdings hat er es wohl nicht aus Faulheit so gemacht.
Jedenfalls viel Erfolg, es lohnt sich immer , die Sache gründlich anzugehen. Denk immer an die Faulheit !
Es grüßt Bootsmann Hermann vom MB SILESIA
Antworten