Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

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A.Lue
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Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von A.Lue » Di 2. Mär 2021, 09:09

Moin aus Hamburg,
ich habe gleich ein zweites Thema, zu dem ich gerne Euer Wissen anzapfen würde.
Kurz noch einmal zur Einführung, es geht um einen 1936 Schärenkreuzer...
Im Unterwasserschiff hatte ich diese Winter einige Farbabplatzungen. Beim abkratzen der losen Farb- und Spachtelbereiche fand ich nun tatsächlich eine kleine roote Stelle am Totholz.
Das Totholz wurde 2002 komplett erneuert. Die Rotte Stelle befindet sich direkt über dem Ballast.
Die wirklich weichen Holzteile waren schnell entfernt. Ich stelle mir jedoch jetzt die Frage, wie weit ich das Holz austauschen sollte?!
IMG_2804.jpg
IMG_2804.jpg (2.42 MiB) 1783 mal betrachtet
Normalerweise hätte ich mich hier an der Verfärbung orientiert. Klar ist, das wirklich dunkle Holz wird entfernt. Aber auch die angrenzenden Bereiche sind .... sagen wir mal verfärbt, jedoch hart.
Wie geht man hier sinnvolleweise vor? Ich hab natürlich die Hoffnung nur einen sehr kleinen Teil reparieren zu müssen...

Hier noch ein Bild von der Restaurierung meines vor-vor-vorbesitzers.
Rival_bild_6.jpg
Rival_bild_6.jpg (24.14 KiB) 1783 mal betrachtet
Ich bin wieder gespannt auf Euer Einschätzung.
Gruß
Arne
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von Niko » Mi 10. Mär 2021, 22:49

Moin,
wenn ich das richtig sehe, ist das der sensible Bereichs des Übergangs von Kielbalken zum Vorsteven mit einer Lasche. Kein Totholz. Hier laufen eine ganze Reihe von Kräften am Rumpf zusammen und müssen abgetragen werden, häufig auch der Stauchdruck vom Mast. Eine Prinzip-Zeichnung findet sich hier:
https://www.fky.org/restaurierung/resta ... wski-1.htm
Wenn man da Holz austauscht, müssen die Stücke mit langen Schäftungen versehen werden.
Gruß Niko
A.Lue
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von A.Lue » Do 11. Mär 2021, 14:22

Hallo Nico,
Du hast absolut recht, das ist kein Teil des Totholzes sondern Teil des Kielbalkens.
Dieser Teil wurde daher seinerzeit auch nicht neu gemacht.
An dieser Stelle würde ich mit keinen großen Kräften rechnen, da der Bereich ca. 2cm oberhalb des Ballast´s ist und der ja nur mit den Kielbolzen aufghängt ist. Hier können also nur Druckkräfte übertragen werden.
Der Bereich ist tatsächlich sehr klein.... ich würde mal sagen so 3x2cm groß.

Wenn ich aber natürlich das Holz so weit entferne, bis ich keine dunkle Verfärbung mehr habe.... dann wird der Bereich natürlich groß.
Und genau das ist der Punkt den ich hinterfrage. Ich befürchte, dass alle dunklen Bereiche bereits einen Pilzbefall haben und daher unter Umständen ausgetauscht werden müssen?!
Das Holz selber, auch wenn es fast schwarz ist, ist in der Tiefe noch sehr fest und hart.

Gruß
Arne
Niko
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von Niko » Do 11. Mär 2021, 17:59

Moin Arne,

ich würde mich von der Festigkeit des Holzes leiten lassen, nicht so sehr von der Verfärbung. Die entsteht ja bei Eiche im Kontakt mit Eisen schnell und tief. Über die Festigkeit hast du auch möglichen Pilzbefall im Griff, sein Wachstum findet im Wesentlichen im Übergangsbereich von weich zu hart statt, und wo die Feuchtigkeit höher als 20 % ist. Was alles mit schwarzer aber fester Eiche geht, findest du z. B. gut hier: https://www.fky.org/restaurierung/resta ... g-lill.htm.
So gesehen reicht ja ein Spund in ausreichender Größe und mit ausreichend schrägen Flächen.
Zu den eingeleiten Kräften: Es wirken hier u. a. Biegekräfte aus dem Vordersteven, der ja in der Regel in Form einer Lasche den Kielbalken vorne überblattet. Zusammen gehalten wird das Ganze dann durch diverse Bolzen, u.a. von dem Bolzen, der ganz vorne durch die Spitze des Balastkiels geht, und genau da drüber ist das Loch. Hier muss also durch den Spund wieder Form-und Kraftschluss für den Bolzen hergestellt werden.

Gruß Niko
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von A.Lue » Fr 12. Mär 2021, 11:09

Moin Nico,
vielen lieben Dank für Deine Einschätzung, dass ist doch genau die Information die mir fehlte.
Ich habe gerade noch ein altes Bild gefunden. Darin wird die Situation klar. Hab den schadhaften Punkt einmal markiert.

Das nur der Vollständigkeit halber
InkedSKM_C454e21031211320_0001_LI.jpg
InkedSKM_C454e21031211320_0001_LI.jpg (82.22 KiB) 1620 mal betrachtet
Gruß
Arne
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von Detlef Lutz » So 14. Mär 2021, 08:56

Hallo und Moin Arne
Könnte es sein das bei der letzten großen Reparatur(wann war die denn?) der Focus auf den achternen und mittleren Bereich lag?
Anhand des letzten Bildes ist ein viel zu kurz geschäfteter Vorstevenauslauf zu erkennen. Auch das vordere Ende mit der jetzigen Schadstelle ist einfach stumpf abgesägt worden. Könnte aber auch in der Vertikalen geschäftet sein? Gilt auch für den Stevenauslauf. Das wäre dann so nicht zu erkennen. Ich frage mich nur warum der letzte Meter nicht mitgemacht wurde. Der Ballast war doch wohl bei der Reparatur ab,oder nicht? Da sind ja bestimmt ein paar mehr Verschraubungen zw. Den Bauteilen als nur die Kielbolzen. Diese werden erstaunlicherweise, selbst bei so großen Reparaturen, nicht beachtet. Diese tun dann in den folgenden Jahren ihr zerstörerisches Werk weiter.
Anbei ein Ausschnitt aus der Folkeboot Zeichnung. Hier sind einige Bolzen welche nicht in den Ballast gehen, sondern die Bauteile vor der Hochzeit mit dem Ballast verbinden. Diese können auch nur ohne Ballast ersetzt werden. Beim Folke sind diese Schrauben aus verzinkten Stahl. Glück hat Derjenige wo sie aus Bronze sind.
Auch wenn die Rival ein nach hinten / unten abknickenden Ballast hat, scheint sie von der Konstruktion des Rückrades dem Folkeboot sehr ähnlich. Einen Totholzbereich gibt es nicht zu erkennen. Hinten ist zu erkennen von unten: Ballast, Kielplanke, Knie, Achtersteven.
Dateianhänge
Folkeboot hinteres Knie
Folkeboot hinteres Knie
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von A.Lue » Mo 15. Mär 2021, 17:45

Moin Detlev,
da mich Dein Einwand zunächst etwas beunruhigt hat, gehe ich da nochmal etwas tiefergehend drauf ein - auch wenn es das eigentliche Thema verlässt.
Dazu erklärend hab ich noch ein paar alte Fotos meines schwedischen vor-vor-vorgängers angefügt.

Die Sanierung geschah 2002, aus meinem leihenhaften Blick relativ umfänglich.

Erzählungen zufolge (soweit ich mich erinnere) befand sich das Schiff vor der Restaurierung in einem Museum.
Ich gehe davon aus, das es zuvor keine Restaurierung gab und das Schiff somit noch im ursprünglichen Zustand von 1936 war, wie es in der Holm Werft hergestellt wurde.
Es kann aber natürlich auch sein, dass der Bereich schon einmal saniert wurde?!

Die Bilder deuten für mich darauf hin, dass die Schäftung nicht verändert wurde sondern nur die rotten Bereiche erneuert wurden...
SKM_C454e210312110005_0001.jpg
SKM_C454e210312110005_0001.jpg (656.51 KiB) 1491 mal betrachtet
002.jpg
002.jpg (888.98 KiB) 1489 mal betrachtet
Es wurde noch eine weitere Plankenreihe entfernt, weshalb man auf dem letzten Bild mehr von der Schäftung sieht.
SKM_C454e21031211000_0001.jpg
SKM_C454e21031211000_0001.jpg (697.91 KiB) 1492 mal betrachtet
Detlef Lutz
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Re: Rotte Stelle am Totholz - wie großflächig austauschen

Beitrag von Detlef Lutz » Di 16. Mär 2021, 07:54

Moin Arne
Wer hat schon das Glück eine solche Bilddoku zu haben. Das ist ja schon beruhigend, das der Ballast weg war.
Auf deinem 1. Bild mit dem jetzigen Stand des Schaden zeigst Du die Bb Seite. In der Doku von 2002 ist es immer die Stb. Seite.
Warum das Holz im vorderen Bereich bei der Reparatur deutlich dunkler ist als der hintere ( woraus ich erst folgerte das sei orig. Holz) weiß ich natürlich auch nicht. Es ist aber nun genau der Bereich worum es jetzt geht.
Ich würde mich nach den jetzigen Stand an den Vorschlag von Nico halten. Alles weiche entfernen. Ich bin gespannt ob der Schaden durch fehlerhaftes Holz (Ast oder Windriss) oder rostenden Bolzen entstand.
Gruß Detlef
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