O-Jolle 841 - Gräte

Gräte
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O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Gräte » Mo 19. Apr 2021, 13:15

Hallo Zusammen,

ich habe mich hier angemeldet, weil ich neuerdings eine alte Mahagoni O-Jolle mein Eigen nenne.
Nachdem ich in den letzten Jahren ein 40 Jahre altes Feuerwehrauto zum Camper umgebaut habe, fehlte mir als Holzwurm mal wieder etwas richtiges Holz in der Hand. Außerdem habe ich nach einer längeren Segelpause doch gemerkt, dass ich eher Segler als Camper bin.

Das Boot ist 46 Jahre alt und vom Holz her in einem recht guten Zustand. Morsche Stellen habe ich bis jetzt noch keine entdeckt. Leider hat sie die letzten Jahre unter einer Plane verbracht, so dass der Deckslack teilweise ganz weg ist.

https://ibb.co/r3KJjdX (Das ist der Link zum Bild, einbetten übe ich nochmal)

Was mich etwas nervös macht sind zwei Trockenrisse in der massiven Scheuerleiste. Nicht das das Boot insgesamt zu stark ausgetrocknet ist, obwohl der Rumpf keine offenen Fugen zeigt.

Jetzt frage ich mich, wie ich am besten Anfangen soll. Deswegen Liste ich hier mal meine Fragen auf, in der der Hoffnung, dass mir hier geholfen wird:

1. Die Trockenrisse in der Scheuerleiste klebe ich am besten mit Epoxi, oder reicht da ein wasserfester Holzleim? Macht es Sinn das Holz vorher feucht zu halten, damit die Spannung abgebaut werden kann?
2. Den Lack würde ich gerne mit Abbeizer runterholen. Gibt es das eine Empfehlung? Kann der Abbeizer das Mahagoni-Sperrholz verfärben?
3. Den Rumpf innen würde ich mit Halböl (Leinölfirnis/Terpentin) behandeln. Damit würde ich auch die erste Schicht auf dem Deck machen und danach mit Epifanes weiterlackieren. Verträgt sich das?
4. Unterwasserschiff: Da das Boot so lange draußen war, bin ich mir nicht sicher, ob es nicht besser wäre das Boot erstmal in Wasser bringe bevor ich ans Unterwasserschiff gehe, damit das Holz erstmal quellen kann.

Vielen Dank im Voraus für eure Antworten
Torsten
Detlef Lutz
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Detlef Lutz » Mi 21. Apr 2021, 22:04

Moin Thorsten
Glückwunsch zum schönen Boot.
Zu 1: Auf dem Bild von Deinem Link sieht es für mich eher nach einer geöffneten Schefftung als nach Trockenriss aus. Empfehlungen nach Klärung was es nun wirklich ist.
Zu 2: Mit Abbeizern habe ich keine Ahnung. Ist der alte Lack 2 Komponenten? Die Schäden im Lack auf dem Bild sehen zumindest so aus. Ich verwende gerne den Abzieher von Bahco. Aber auch nur auf 1K Lacken.
Zu 3: Leinöl Firnis ist auch aus Kostengründen eher was für Dickschiffe als für eine Jolle. Ich empfehle Owatrol D1 & nix, oder & D2, oder & Epifanes. D1 & nix ist meines Erachtens am pflegeleichtesten, wenn das Boot mit Plane am Liegeplatz liegt. D.h. Direkte UV Bestrahlung nur bei Nutzung.
Zu 4: Kann ich aus mangelnder Erfahrung mit Holzjollen keine Expertise geben.
Gruß Detlef
P899
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von P899 » Do 22. Apr 2021, 14:37

Den Empfehlungen von Detlef würde ich mich zu 100% anschließen.
r1367
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von r1367 » Do 22. Apr 2021, 17:25

zu (4): Würde ich erstmal machen, um ein Gespür für den Zustand zu bekommen.

zu (2): Den alten Grüneck gibt es glücklicherweise wohl nicht mehr, der Schuppen stank danach noch monatelang. Bei 2k wird man um Schleifen nicht umhin kommen, bei 1k habe ich mit PeelAway gute Erfahrungen gemacht. Allerdings habe ich mit PeelAway nur mit farbigen Anstrichen gearbeitet, bei Klarlacken nur mit dem alten Grüneck.
Gräte
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Gräte » Fr 23. Apr 2021, 09:52

Vielen Dank für die Tipps.

Das mit der offenen Schäftung könnte wirklich sein. Darauf wäre ich nicht gekommen.
Hier noch ein Bild aus einer anderen Perspektive: https://ibb.co/vLxJHMy

Ich habe natürlich keine Ahnung, welcher Lack verarbeitet wurde. Denkst du, dass ein 1K Lack nicht so abblättern würde, oder wieso meinst du es wäre 2K Lack?
Dann wäre Abbeizen eher schlecht und ich muss wohl doch mit Heissluft und Schaber dran.

Leinölfirnis habe ich zur Rostvorsorge an der Feuerwehr noch genügend zu Hause. Deswegen wollte ich die eigentlich hernehmen.
Bekommt man mit dem Owatrol D1 denn eine geschlossene glänzende Oberfläche hin? Ich hätte schon gerne, dass das Boot schön funkelt, wenn ich fertig bin...

Gruß
Torsten
r1367
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von r1367 » Sa 24. Apr 2021, 15:45

1k-Lack ist meist weich(er) und blättert nicht sooo sehr. Es gibt aber Ausnahmen, ich erinnere mich an Histor, der aber so nicht mehr auf dem Markt ist. 2k ist wahrscheinlich, aber aus der Ferne nicht sicher.

Geschlossene glänzende Oberfläche mit D1? Nee, eher nicht. Für "leichten" Glanz kannst du dann mit D2 rübergehen.
Detlef Lutz
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Detlef Lutz » Sa 24. Apr 2021, 21:11

Moin Thorsten
Ich denke auch es ist eine offene Schaefftung. Ich würde versuchen mit der feinen Japansaege die Naht zu öffnen und reinigen so tief es geht. Dann mit eingefärbten Epoxi mit Spritze wieder füllen.
Epoxi brauch kein Druck, absolut wasserdicht, und sehr lange haltbar. Nach dem reinigen des Spalt, diesen mit z.B. Kreppband abkleben. An jedem Ende mit der Spritze ein Loch piksen. In dem einen Loch das dünne , eingefärbte Epoxi hinein bis es aus dem anderen Loch heraus quilt.
Vorher kannst Du dich ja erstmal mit dem kompletten entfernen des alten Lackes beschäftigen. Vermutlich mit Heisluftfoen und Spachtel oder Abzieher.
Lass das Leinöl für was anderes stehen! Gerade Heute mit einem Folke Kollegen (Bootsbaumeister) gesprochen, welcher sich ärgert im Folke Leinoelfirnis genommen zu haben. Er wusste auch noch nicht das Owatrol D1 ein idealer Primer für MS-Polymer ist. Genug Zeit zum aushärten geben, dann hält die Dichtmasse auch besser als ohne .
In dem Folke Rumpf von Lill hat das jährliche D1en mittlerweile eine seidenglaenzende Schicht gebildet. Härtet nach ca. 1 Woche im Winter komplett klebfrei durch! Dadurch ist eine Innenreinigung gut möglich. Wenn Du mehr Glanz brauchst machst Du nach 2 oder 3 Jahren D1en noch D2 drauf. Dann ist das Boot auf lange konserviert von Innen. Da wird auch nix abplatzen. D2 ist im Glanz kaum von Epifanes zu unterscheiden. Dafür noch leichter zu verarbeiten. Nur nicht so abriebfest wie Epifanes, etwas weicher. Daher gut für Mast und Baum, wo mal Leinen etc. Schlagen. Dafür kein abplatzen des Lackes.
Gruß Detlef
Detlef Lutz
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Detlef Lutz » Sa 24. Apr 2021, 21:28

Detlef Lutz hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 21:11
Moin Thorsten
Ich denke auch es ist eine offene Schaefftung. Ich würde versuchen mit der feinen Japansaege die Naht zu öffnen und reinigen so tief es geht. Dann mit eingefärbten Epoxi mit Spritze wieder füllen.
Epoxi brauch kein Druck, absolut wasserdicht, und sehr lange haltbar. Nach dem reinigen des Spalt, diesen mit z.B. Kreppband abkleben. An jedem Ende mit der Spritze ein Loch piksen. In dem einen Loch das dünne , eingefärbte Epoxi hinein bis es aus dem anderen Loch heraus quilt.
Vorher kannst Du dich ja erstmal mit dem kompletten entfernen des alten Lackes beschäftigen. Vermutlich mit Heisluftfoen und Spachtel oder Abzieher.
Lass das Leinöl für was anderes stehen! Gerade Heute mit einem Folke Kollegen (Bootsbaumeister) gesprochen, welcher sich ärgert im Folke Leinoelfirnis genommen zu haben. Er wusste auch noch nicht das Owatrol D1 ein idealer Haft-Primer für MS-Polymer ist. Genug Zeit zum aushärten geben, dann hält die Dichtmasse auch besser als ohne .
In dem Folke Rumpf von Lill hat das jährliche D1en mittlerweile eine seidenglaenzende Schicht gebildet. Härtet nach ca. 1 Woche im Winter komplett klebfrei durch! Dadurch ist eine Innenreinigung gut möglich. Wenn Du mehr Glanz brauchst machst Du nach 2 oder 3 Jahren D1en noch D2 drauf. Dann ist das Boot auf lange konserviert von Innen. Da wird auch nix abplatzen. D2 ist im Glanz kaum von Epifanes zu unterscheiden. Dafür noch leichter zu verarbeiten. Nur nicht so abriebfest wie Epifanes, etwas weicher. Daher gut für Mast und Baum, wo mal Leinen etc. Schlagen. Dafür kein abplatzen des Lackes.
Gruß Detlef
PS: D1 soll das Holz von Innen pflegen. Daher kein Aufbau. Wenn es passiert ist es aber auch nicht schlimm. Nur keine Pfützen in irgendwelchen Ecken stehen lassen. D1 erodiert durch Sauerstoff von der Oberfläche und kann daher immer wieder gerne on Top gelegt werden. Dort wo kein Sauerstoff ist [im Holz] bleibt er flüssig und kriecht weiter wenn von Oben Nachschub kommt. Das Holz darf aber nicht unter Öl stehen! Sauerstoff spielt auch beim auftragen eine wichtige Rolle.
Kann ich beim Folke gut beobachten wenn die 17mm starken Planken , Außen im Antifouling dunkel wird. Dort ist die Planke durch gesättigt.
Gräte
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Gräte » Di 27. Apr 2021, 19:05

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Das mit dem Owatrol D1 werde ich noch beherzigen. Epifanes Lack habe ich schon zu Hause.
Was ich noch nicht verstehe ist, warum ich die Schäftung nicht pressen soll. Ist eine kleine Leimfuge nicht besser, zumal Epoxi irgendwann gelb wird?
Gruß Torsten
Andre R363
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Re: O-Jolle 841 - Gräte

Beitrag von Andre R363 » Mi 28. Apr 2021, 07:57

Hallo Torsten,

ich würde auch Epoxy verwenden und trotzdem die Schäftung zusammendrücken.
Alleine schon der Optik wegen.
Gemeint ist, dass wenn die Schäftung nicht komplett zugedrückt werden kann, das Epoxy diese "Brücke" trotzdem schließt.
Das kann Holzleim nicht.

Deine Bedenken bzgl. der Verfärbung sind unbegründet
1. ist der Spalt so klein, dass eine Verfärbung gar nicht auffallen würde
2. wird das Epoxy mit Schleifstaub angedickt und ist dann sowieso schon dunkel (Aber zuerst mit dünnen Epoxy die Klebeflächen einschmieren!)
3. kommt eine UV schützende Lackschickt über die Klebestelle. Dies verhindert das vergilben.

Gruß
Andre R363
20er Jollenkreuzer R363 "Lenya"
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