Bitte um Übersetzungshilfe

PeterHadTrapp
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Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von PeterHadTrapp » Do 29. Mär 2018, 08:58

Hallo liebe Freunde klassischer Jachten,

Ich bin kein Segler oder Seemann, sondern auf der Suche nach Hilfe bei einem eher "literarischen" Problem, ich denke, dass Ihr mir vielleicht helfen könnt.

Ich bin derzeit damit beschäftigt ein Buch aus dem Englischen zu übersetzen. Das Buch ist eine Biographie aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, das beschriebene Boot hat wirklich existiert. Der wichtigste und letzte Teil der Geschichte spielt auf diesem englischen Segelboot, das 1885 erbaut wurde, der Jacht Gracie Blue, die (so der Autor) wohl ursprünglich einmal ein Lotsenboot der britischen Admiralität war. Die Szene ereignet sich im Jahr 1947.

Der Protagonist meiner Geschichte wird auf dem Boot herumgeführt, mit dem er aus Marokko "fliehen" will. Dann kommt der Satz, der mir solche Probleme bereitet, hier wird im wesentlichen die Takelage erklärt. Ich als "Landratte" bin auch unter Zuhilfenahme, der im Internet verfügbaren Informationsquellen nicht im Stande, alles zu verstehen und zu übersetzen. möchte aber keinesfalls "Unsinn verzapfen". Einiges kann ich mir herleiten und deuten, anderes leider nicht.

Es handelt sich nur um einen einzigen Satz. Die entsprechende Passage lautet:

"Nicholson explained the sails. She (gemeint ist die "Gracie Blue") was a yawl with jib, staysail and quadrangular mainsail on the main mast with a gaff, a mizzen mast and a small sail at the extreme stern."


Mit einer zutreffenden Übersetzung würdet ihr mir sehr helfen.

Gäbe es vielleicht eine Chance, irgendwo Abbildungen der Jacht zu finden, existiert ein Register für so etwas?

Im voraus Dankend



Peter Hadamczik-Trapp

Conni
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von Conni » Do 29. Mär 2018, 10:31

"Sie war eine Yawl mit Klüver, Fock (eigentlich "Stagsegel", aber die Fock ist das hinter dem Klüver kommende Stagsegel (ein Segel, welches an einem Stag, schräges feststehendes Drahtseil, hochgezogen wird)) und einem viereckigen Großsegel am Hauptmast/Großmast mit Gaffel (das ist das stück Rundholz, welches bei einem viereckigem Segel an der oberen Kante angebracht ist um das Tuch daran hochzuziehen) einem Besanmast mit kleinem Segel ganz Hinten am Heck."
Das ist ein typisches Yawl-Gaffel-Rigg, welches hier beschrieben ist. Yawl bedeutet: 2 Masten, der hintere deutlich kleiner als der vordere und der hintere platziert hinterm Ruder des Bootes.
Die Willow Wren ist zum Beispiel eine schöne alte englische Gaffelyawl
https://www.willow-wren.de/
Auf den Bildern trägt sie zusätzlich zu den genannten Segeln (Klüver, Fock, Groß und Besan ) noch ein Topsegel über dem Groß.
Viele Grüße,
Conni
PeterHadTrapp
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von PeterHadTrapp » Do 29. Mär 2018, 11:07

Hallo Conni,

vielen Dank Dir! Du hast mir sehr geholfen. Ich hoffe, dass ich gegen keine Forenregeln hier verstoße, wenn ich mich mit ähnlichen Fragen wieder melden würde.
Das Buch erzählt an sich die Geschichte einer Segelfliegerlegend, auf diesem Terrain bin ich auch einigermaßen "trittsicher" aber von Seefahrt und Segelbooten, habe ich leider wirklich keine Ahnung.

Vielen Dank auch für den Link zur Willow Wren, die ja sogar genauso alt ist, wie das Boot, von dem in meinem Buch die Rede ist. Dank der tollen Fotos in der Galerie dort, kann ich mir nun auch das innere des Bootes viel lebendiger vorstellen - super!

Gruß Peter
PeterHadTrapp
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von PeterHadTrapp » Do 29. Mär 2018, 14:42

Da bin ich schon wieder. Ich würde gerne wieder Eure Hilfe in Anspruch nehmen.
"Meine" Crew versucht nun in einer Flaute mitten im Atlantik den Motor der Jacht zu starten.
Der Autor schreibt:

"I went to the primer, pumped it, pressed the starter, chuff-chuff, the engine fired once."

Was meint er mit "primer"? Eine Art Kaltstartvorrichtung oder einfach eine mechanische Benzinpumpe?

Vielen Dank im Voraus
Peter
André bauer
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von André bauer » Do 29. Mär 2018, 19:38

Hallo,
hat der Autor mit quadrangular Main Sail ein Rahsegel gemeint?
Ein anderes kenne ich nicht, ein Gaffelsegel kann es kaum sein. Denn den Begriff Gaff Sail hat er ja auch verwendet. Allerdings wird ein Schiff mit Rahsegel kaum als Yawl bezeichnet. Und ich habe auch nie ein Schiff mit Rahsegel und Yawltakelung gesehen.
Ein Rahsegel wird im englischen meist Square Sail genannt.
Scheint der englische Autor wusste auch nicht so ganz viel von der Seefahrt.

Ob es in England oder woanders ein Register gibt, kann ich nicht sagen.
Unwahrscheinlich das sie im Register des FKY zu finden ist. Online über die Homepage zu finden.
Meist führen die Register nur aktuell vorhandene Schiffe bzw. Namen.
Lloyds Register of Shipping wird sie ganz sicher führen, da sind aber eher technische und historische Infos zu finden, keine Bilder.

Primer kenn ich nur als Farbe, in Zusammenhang mit Motoren nie gehört.

Für größere Übersetzungen der maritimen Literatur empfehle ich zum einen den Dluhy, ein maritimes Deutsch-Englisches Wörterbuch in 4 Bänden! und zum anderen ein Buch "Das grosse Buch der Schiffstypen" https://www.zvab.com/products/isbn/9783 ... 8-_-isbn10

Gruß,
André Bauer
Gruß,
André

V98 Seebrise
www.bauer-naval-design.de
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Martin Lamprecht
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von Martin Lamprecht » Fr 30. Mär 2018, 00:35

Moin,

eine primer pump ist eine Treibstoffpumpe, die z.B. bei
sehr langen Treibstoffleitungen und/oder Filtern in der Zuleitung
vor Start des Diesels schon etwas Treibstoff fördert, damit der
Motor überhaupt in Gang kommt.

Peter war also mit seiner Vermutung "Benzinpumpe" schon dicht dran,
nur daß eben nicht Benzin, sondern Dieselkraftstoff gefördert wird.

http://www.paragonproducts.net/products ... pumps.html

oder in ganz klein

https://www.quora.com/What-is-a-priming ... el-engines

Im Falle der Yawl im zu übersetzenden Text dürfte die Pumpe
wohl per Hand zu bedienen sein, aber vielleicht etwas vornehmer
sein als nur ein Gummiball.

Schöne Grüße,
Martin
PeterHadTrapp
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von PeterHadTrapp » Fr 30. Mär 2018, 01:33

Klasse, vielen Dank Martin.

Ihr habt mir bis hierher schon sehr geholfen.
Ich möchte noch kurz etwas erklären:
Bitte denkt nicht, dass ich mich als völlig ahnungsloser Kerl an die Übersetzung der Biographie eines Seemannes gewagt habe.

Der Mensch, von dem das Buch handelt war an sich ein Segelflugpionier der zwanziger und dreißiger Jahre. Bei dem Thema bin ich einigermaßen "trittsicher".

Der Mann erlebt dann einen sehr spannenden und wendungsreichen Lebenabschnitt von 1939 bis 1949.
Davon handelt das Buch und am Ende wird eine recht abenteuerliche Atlantiküberquerung geschildert.

Gruß Peter
Conni
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von Conni » Fr 30. Mär 2018, 23:25

Lieber Peter,
nu sach mal, wer war denn das? Wolf Hirth wohl nicht, Günther Groenhoff war schon tot, wer denn wohl?
Ganz gespannt,
Conni
PeterHadTrapp
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von PeterHadTrapp » Sa 31. Mär 2018, 11:19

Hi Conni

Kleines Rätselspiel?
- er war einmal Gesamsieger des Rhönwettbewerbes
- er war einer wenigen, die den Hindenburgpokal gewonnen haben
- er war Teilnehmer der legendären Segelflugexpedition nach Südamerika 1934
- er hat anlässlich der Winterolympiade 1936 Segelkunstflug vorgeflogen
- er war nicht Hanna Reitsch ;-)

Jemand, schon Günther Groenhoff und Wolf Hirth zutreffenderweise ausschließt, könnte jetzt drauf kommen, um wen es in meinem Buch geht.

Gruß Peter


Conni
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Re: Bitte um Übersetzungshilfe

Beitrag von Conni » Sa 31. Mär 2018, 11:41

Peter Riedel? Oder Heini Dithmar? der war auch mit in Südamerika, glaub ich...
Ich habe versucht, Dir eine PN zu schicken, ist die angekommen?
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