Mit großem Loch und vielen kleinen durch das Neue Jahr

HermannLenz
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » Do 20. Feb 2020, 12:19

Kommt noch.
Es grüßt Bootsmann Hermann mit dem 55 jährigen Oldy SILESIA
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HermannLenz
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » Sa 22. Feb 2020, 21:01

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Moin Dagmar. Und Moin an alle Mitleser.
Ich komme noch einmal auf deine Anfrage bzgl. Schäftung zurück.
Eine Schäftung muss SICHER geklebt sein , davon hängt das Leben ab , auch noch 55 Jahre später. Das sichere Verkleben von (geschäfteten) Tropenhölzern mit deren meist noch fettigen Eigenschutz - Inhaltsstoffen war damals definitiv weder sicher genug , noch "ewig" haltbar.
In Fischkuttern wurden daher immer die (meist recht dicken) Planken stumpf gestoßen und verbolzt. Das Hirnholz wurde mit einer entsprechenden Holzschutzbrühe getränkt. In den Plankenbiegungen herrscht eine hohe Biegespannung , die so manche Schäftung in Schwierigkeiten bringen könnte . Mein Bootsbauer kommt aus dem Kutterbau , Holzkutterwerft Bültjer in Ditzum .
Ich habe jetzt beim Heraussägen von Planken an den Stößen noch sehr gutes Hirnholz vorgefunden .
Das jetzt von mir benutzte Plankenholz " Bilinga" hat auch einige Inhaltsstoffe , die trotz der heute besseren Klebemittel, zu Problemen führen könnten .
Weiter oben hatte ich dir schon geschrieben , dass ich jetzt nach 55 Jahren keinen Grund sehe , Schäftungen einzuführen .
Mein Spantengestell hat auf einer Länge von ca. 10 Meter 36 Eichen - Spanten , ca. 5cm dick und 8 cm tief. Die 6 neuen sind sogar 6 cm dick . Die Niro Verschraubung hat kein Problem , die 25 mm dicken Planken , trotz der starken Biegespannung sicher auf dem Spant zu halten, einige Stöße sind im Bereich der stärksten Biegung , sind dort , so wie es convenierte , gelascht.
Sicher , von der "richtigen" Bauausführung hängt letztlich mein Leben und das der Mitfahrenden ab , wenn ich an der Nordseeküste rumtuckere. Daher orientiere ich mich auch an der alten Bauausführung und den Tips von Bültjer.
Liebe Dagmar , schönen Sonntag.
Zuletzt geändert von HermannLenz am So 23. Feb 2020, 11:15, insgesamt 1-mal geändert.
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potemkin
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von potemkin » So 23. Feb 2020, 09:51

hallo herrmann,
ich benutze solch einschlagmuttern hin und wieder auch. sie haben eine tücke: (jedenfalls die von mir benutzten verzinkten) - wenn die schrauben zu viel zugkräfte entwickeln können die gewindehülsen abreißen, und zwar am letzten gewindegang vor der platte. und zuviel zug kann ev. auch durch quellen des holzes auftreten. also nicht zu klein (gewindedurchmesser) wählen. ev gibt es auch verstärkte, ich weiß es nicht, hersteller fragen
HermannLenz
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » So 23. Feb 2020, 11:05

Danke für DEINE Sorge.
Die Bohrung in den Laschen ist nur so groß wie die Schrauben. Die Bohrung für die Gewindehülse der Einschlagmutter reicht nur so tief wie nötig. Es bliebe beim Abriss noch die eigentliche Mutter fest in der Lasche. Die vor 28 Jahren erstmalig benutzten sitzen auch nach bombenfest , zumal die Planken alle 27 cm eh fest mit den Spanten verholzt sind. Die Lücken zwischen den Spanten sind ca. 22 cm , die Laschen also ca. 18 cm .
Manchmal ist "Schwerbau" durchaus sinnvoller als "Leichtbau" , wenn , wie beim Verdränger/Kutter das Gewicht (fast) bedeutungslos ist .
Ist ja keine Rennziege.

Habe mal ein Foto meiner Nachbarn angehängt.
Neben unserer Winterhalle ist eine Papageien- und Kakadu - Zucht. Deren Piepen und Schnacken sorgt für fröhliche Stimmung bei der Winterarbeit , wenn im Garten kein Piepen zu hören ist .
Dateianhänge
Meine gefiederten Nachbarn.
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Blick in den Hohlraum zwischen Planke und Innenverkleidung mit Endoskop - Kamera
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danebrog
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von danebrog » Mo 24. Feb 2020, 07:56

Da kann man wieder mal sehen -> Der ganze Bootsbau, in Theorie und Praxis, mit allen Tipps und Tricks, Erfahrungen und Vermutungen, Meinungen und Deinungen ist ein einziges Universum.

Frohes Schaffen, ihr Lieben, und immer handbreit!
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » Mo 24. Feb 2020, 11:29

Hallo Dagmar ,
und dann gibt's auch noch die vielen Irrungen und Wirrungen .
Immer , wenn ich wieder mal eine solche durchmache , gehe ich zu meinen gefiederten Nachbarn. Die richten mich dann mit ihrer Fröhlichkeit wieder auf. Klappt auch bei den Irrungen und Wirrungen des Lebens.
Ob im Holzbootsbau etwas verpfuscht wurde , merkt man eh erst nach vielen Jahren.
Hier ein Beispiel : wurde ein Boot doppelt beplankt, z.b. Diagonalkarweel..... , wurde meist ein in Bleiweiß getränktes Segeltuch dazwischen gelegt. So auch bei meinem doppelt geplanktem Heck. Nach 32 Jahren war dieser "Lappen" komplett verfault , die Planken und Spanten im Heckbereich entsprechend gammelig.
Musste 1997 alles abgerissen und komplett erneuert werden . Es liegt dsn in dem im Ermessen der "Nachkommen" , hier für Abhilfe und Erneuerung zu sorgen. Deren Fehler , zeigen sich u.U. auch erst in 30 Jahren.
Insofern ist es fast egal , was ich mache. Wenn der Murx auffliegt , habe ich mich bereits ins Jenseits verabschiedet. Bei der Murxerei in der Baubranche heißt das Jenseits allerdings "Insolvenz" , was bei meiner Bootsschrauberei natürlich sinnlos ist .
Frohes Schaffen.
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » Mo 24. Feb 2020, 16:50

Ach ja , vor nicht allzu langer Zeit , da hatte ich ein anderes Freizeitvergnügen
Eine völlig abgemagerte Katze hat mir letzten September 4 Kleine auf den Dachboden gebracht. Ich habe dann mehr als 2 Monate die Kleinen und die Mama durchgefüttert. Die Kleinen hatte ich schnell Handzahm und konnte sie dann wegbringen , und sie kamen gleich zahm in Familien.
Aber auch das war neben der Arbeit an Bord eine schöne , spannende und entspannende Beschäftigung.
Das ganze Gerümpel auf dem Dachboden stammt noch von meinem Winterhaus aus Dachlatten und Plane , welches von 79 bis 97 im Winter auf dem Boot stand.
Ich habe den Kleinen sogar nachgetrauert , sooooo schön war die Zeit der Aufzucht .
Die 4 Kleinen am Futternapf.
Die 4 Kleinen am Futternapf.
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Das Empfangskommitee auf dem Dachboden
Das Empfangskommitee auf dem Dachboden
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von danebrog » Di 25. Feb 2020, 22:23

(Im Flüsterton hinter vorgehaltener Hand:)
Hermann!
Mit Deiner Menagerie kriegst Du mich ja voll auf meiner weichen Seite, aber dies hier ist ein Forum für BOOTE! (Flüsterton aus)

Nun ja, nicht alles, was heute als Murks empfunden wird, war einmal als solcher geplant. Zum Einen hat man auch zu früheren Zeiten beim Bau der Boote ja garnicht damit gerechnet, dass sie solange halten werden. Zweitens - das erleben wir ja aktuell auch noch - kommen neue Materialen, Substanzen, Werkzeuge auf den Markt, deren Nutzen sich auch erst zeigen muss. Da kann immer mal was schief gehen. Und Dritten: Alles, aber auch wirklich alles unterliegt in irgendeiner Form dem Verschleiß.

Wenn wir heute ein Jahrzehnte altes Boot oder sogar eine über Hundertjährige vor uns haben, heißt das aber auch, dass es immer Enthusiasten/Verrückte gab, die ihren Gefallen daran hatten und sie weiterhin erhalten haben. Wir können uns also gegenseitig auf die Schulter hauen und sagen: Yo, wir sind dabei!

Das ist doch jetzt fein formuliert, oder? :D

So, ab an die Arbeit ...
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Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von HermannLenz » Mi 26. Feb 2020, 23:27

Dagmar , von den Kleinen Fellnasen wieder zum Eigentlichen . Du hast natürlich recht , wenn z.B. beim Bau eines Hozkutters ..... nicht mit irrsinnig länger Lebensdauer gerechnet wird. Der Kutter ist ein reines Arbeitsgerät , das muss Geld bringen , und , wenn es beginnt hohe Kosten zu verursachen, wartet das Osterfeuer. Alternativ nimmts einer , schmeißt den Fischerkrempel in die Tonne , zieht das Leichentuch auf und betreibt es als Sportboot. Gibt's genügend. Und auch richtig benannt , dann gibt's die Enthusiasten (aus unserer Sicht) , bzw. Bekloppten (Volksmund) , die widmen ihre gesamte Freizeit dem weitgehend originalen Erhalt , die sind u.a. hier im FKY. Gut so finde ich . Andere restaurieren einen Chewwy aus den 30er Jahren. Auch gut .
Aktuell , alles mit Sikaflex ausgespritzt, im Gegenlicht von allen Seiten den Schattenwurf einiger Unregelmäßigkeiten kontrolliert und mit weiterem Feinschliff korrigiert. Nix ist schlimmer, als eine im streifenden Sonnenlicht sichtbare Delle , die sieht dann jeder am Steg und fragt: welcher Depp hat denn da geschliffen. Das kann ja meine Oma besser , und die ist blind .
Um dem Ärger zwischen dem Sika (PU) und dem Anstrich (Alkyd) vorzubeugen, gibt's erst mal einen Trennanstrich auf dem Sika , nämlich Akryl Grundierung . Hatte vor Jahren das Problem. Alkyd auf PU lösen sich an , PU wird wieder weich und Alkyd härtet erst garnicht . Kann man nach Wochen noch mit dem Finger die Farbe verschmieren. ..... Ja , ist ein Tip für alle ...
So , heute war es eiskalt in der Winterhalle, habe vorrangig in der geheizten Kabine gefummelt.
Dir weiterhin alles Gute und allen anderen Lesern auch.
Freut euch schon auf den Sommer.
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Lothar

Re: Mit Loch ins Neue Jahr

Beitrag von Lothar » Do 27. Feb 2020, 07:20

Tolle Arbeit Hermann!

Zum Glück kein Leichentuch, sondern alles mit Sikaflex zugeschmiert wie vor 60 Jahren.....

Grüße von

Lothar

mit seinem über 80 Jahren alten Segelboot mit "Leichentuch" und ohne Sikaflex
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